Gefährtin
(tib.: yum): weiblicher Buddha-Aspekt in Vereinigung
mit einem männlichen Aspekt (tib.: yab). Sie drückt
Weisheit aus, die untrennbar von Methode oder Mitgefühl ist.
Geist:
Allgemeiner Ausdruck für die Klarheit und Erlebnisfähigkeit,
die die Grundlage für alles bildet, was erlebt wird. Anstatt
die offene, klare Unbegrenztheit des Geistes, seine wahre Natur,
zu erkennen, lässt man sich meistens von den Erlebnissen
im Geist gefangen nehmen, die wie die Bilder im Spiegel kommen
und gehen.
Geistesfaktoren:
Alle positiven, negativen und wandelbaren Zustände im Geist,
die den Geiststrom einfärben und zu entsprechendem Verhalten
führen. Dies wird auch als geistige Aktivität bezeichnet.
Geistesruhe
(skt.: shamata, tib.: shine): friedvoller Geisteszustand in tiefer
Konzentration mit oder ohne Objekt (Versenkung).
Geiststrom:
siehe Bewusstseinsstrom.
Gelug-Tradition:
eine der vier Hauptschulen des Tibetischen Buddhismus. Die so
genannte "Reformschule", gegründet Ende des 14.
Jahrhunderts von Je Tsongkhapa, legt besonderen Wert auf Gelehrsamkeit
und reines Verhalten. Oberhaupt ist Ganden Tripa Rinpoche, der
Thronhalter des Klosters Ganden.
Glückverheißende Zeichen: Glückssymbole
im Buddhismus, die der Lebensgeschichte des historischen Buddha
entnommen sind und für weltliche und außerweltliche
Qualitäten stehen. Sie werden in vielen asiatischen Ländern
verwendet.
Großes
Siegel: siehe Mahamudra
Guru
(tib.: lama): geistiger Lehrer, der andere in der Meditation anleiten
kann.
Heruka:
allgemein ein Sammelbegriff für männliche Meditations-Aspekte
und speziell ein Ausdruck für Chakrasamvara, den "Buddha
der Höchsten Freude".
Hinayana,
wörtl. Kleines Fahrzeug: Wird nur aus der Perspektive
des Großen Fahrzeugs als klein bezeichnet, da der Schwerpunkt
der Praxis hier auf die Befreiung des Einzelnen vom Kreislauf
der Existenz ausgerichtet ist. Da sich aber die Inhalte
dieses Fahrzeugs zum größten Teil mit denen des Mahayana
decken, sollte es gemeinsam mit den Praktizierenden dieses Fahrzeugs
angemessener als Theravada, das Fahrzeug der Älteren in der
Gemeinschaft, bezeichnet werden. Es ist identisch mit dem Südlichen
Buddhismus.
Ich-Illusion:
Vorstellung, dass die verschiedenen Bestandteile der eigenen Person
ein einheitliches Ich ausmachen würden. Grundlage für
alle weiteren Störgefühle
und Handlungen, die wiederum zu Leiden führen. Die Auflösung
dieser Illusion bedeutet daher Befreiung von Leid.
Inkarnation:
Von der Ebene der Befreiung aus kann man sich bewusst zum Wohl
der Lebewesen im Kreislauf
der Existenz inkarnieren, um anderen zu helfen, Befreiung
vom Leid zu erreichen. Die höchsten bewusst wiedergeborenen
Lehrer, wie z.B. Gyalwa Karmapa,
müssen als perfekte Inkarnation mindestens auf der 8. Bodhisattva-Stufe
sein.
Juwelen,
Drei (skt.: triratna, tib.: kön tschog sum): Die
allgemeine Zuflucht im Buddhismus. Sie besteht aus Buddha,
dem erleuchteten Geisteszustand, der Lehre, die einen dorthin
führt, sowie den Bodhisattvas,
den Freunden und Helfern auf dem Weg.
Kagyü-Tradition:
eine der vier Hauptschulen des Tibetischen Buddhismus. Geht auf
Lehren zurück, die von Marpa, dem Übersetzer, im 11.
Jahrhundert von Indien nach Tibet gebracht wurden. Diese Lehren
gelangten über die Meister Milarepa und Gampopa zum 1.
Karmapa, der seit dem 12. Jahrhundert
der Hauptlehrer der Linie ist. Der Schwerpunkt wird hier auf die
Praxis der Meditation gelegt, basierend auf der unmittelbaren
Übertragung der Verwirklichung
vom Lehrer zum Schüler.
Kalpa:
ein Weltzeitalter; umfasst einen Zyklus des Entstehens und Vergehens
eines ganzen Universums.
Kanjur:
ins Tibetische übersetzte Sammlung der direkten Lehren Buddhas,
die von dem großen Gelehrten Buton Rinchendrup (1290-1364)
und weiteren Meistern zusammengetragen wurde. Sie umfasst je nach
Ausgabe zwischen 100 und 108 Bände.
Karma:
Handlungen, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Alle körperlichen,
verbalen und geistigen Handlungen hinterlassen Eindrücke
im Geist, deren Resultate wiederum in den Erfahrungen dieses und
weiterer Leben heranreifen. Schädliche Handlungen bringen
Leid, positive Glück. Ein Verständnis von Karma bedeutet,
dass wir mit unseren Handlungen hier und jetzt unsere eigene Zukunft
bewusst bestimmen können.
Karmapa,
wörtl. "Herr der Buddha-Aktivität":
Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie des Tibetischen Buddhismus.
Wurde vom historischen Buddha vorhergesagt ("Mann mit der
Schwarzen Krone") als Verkörperung der mitfühlenden
Aktivität aller Buddhas. Der 2. Karmapa war der erste bewusst
wiedergeborene Lama Tibets. Der 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje
brachte die Kagyü-Lehren in den Westen, der 17. Karmapa Thaye
Dorje ist das derzeitige Oberhaupt der Linie.
Karmische Tendenzen:
Gewohnheitstendenzen oder subtile Neigungen, die durch wiederholte
Handlungen aus früherer Zeit entstanden und als Eindrücke
im Speicherbewusstsein gelagert sind. Sie geben dem
Geiststrom eine bestimmte Richtung
und führen immer wieder zu entsprechenden Gewohnheiten.
Klares
Licht: Ausdruck für die nicht bedingte Natur der
Dinge, die Samsara
und Nirvana
durchdringt. Zeigt sich spontan im Verlauf des Sterbeprozesses
und kann dann, vor allem als Resultat vorheriger Meditationserfahrung,
als die eigene Natur erkannt werden.
Koan: Worte oder Phrasen, über die in manchen Schulen des
Zen-Buddhismus meditiert wird, um über begriffliche Geisteszustände
hinaus zu gelangen und eine Bewusstheit der Wirklichkeit zu erreichen.
Es soll insgesamt ca. 1.700 verschiedene bekannte Koans geben.
Kodifizierung der Lehren: Die Schüler des historischen Buddha
überprüften mehrmals auf ihren großen Versammlungen
die Niederschriften seiner Lehrreden. Sie klärten dabei strittige
Punkte, korrigierten Fehler der Überlieferung, entfernten
unnötige Wiederholungen und ordneten die Lehren übersichtlicher.
Körbe,
Drei (skt.: tripitaka, tib.: de nö sum): Sammlungen
von Lehren Buddhas in den drei Gruppen von
Vinaya, den Lehren über
das richtige Verhalten, Sutra,
den Lehren zur Meditationspraxis, und
Abhidharma, den Lehren
zur Weisheit.
Kraftkreis:
Ausdrucksform erleuchteter Eigenschaften in der Form eines Buddha-Aspektes
mit seiner Umgebung (Mandala),
als Reines
Land oder als Energiefeld, in dem sich Segen und Inspiration
eines Meditationsmeisters ausdrücken. Z.B. drückt sich
in einem Meditationszentrum der Karma Kagyü-Tradition der
Kraftkreis von Gyalwa Karmapa aus.
Kreislauf der Existenz (skt.: samsara, tib.: sipe khorwa): Geburt
und Tod in den verschiedenen
Daseinsbereichen.
Entsteht aus Unwissenheit über die wirkliche Natur der Dinge
und ist charakterisiert durch verschiedene Arten von Leid.
Laienbuddhismus:
ein Weg, Buddhas Lehre mit dem normalen Alltag in der Gesellschaft
zu verbinden. Wurde bereits von Buddhas direkten Schülern
und von vielen Meistern des alten Indien praktiziert.
Lama, wörtl.
Höchstes Prinzip: Meditationslehrer des Tibetischen
Buddhismus. Der Begriff weist zudem auf das Mitgefühl einer solchen
Person hin, das so stark ist wie das einer Mutter für ihr
einziges Kind. Im Diamantweg ist er der Schlüssel für
die tiefgründigen Unterweisungen.
Lebensrad: symbolische Darstellung des
Kreislaufs der Existenz, seiner
Ursachen und des Weges zur Befreiung. Wurde traditionell am Eingang
einer Meditationsstelle abgebildet, damit man seine eigene Situation
klar sehen konnte. So zur Praxis motiviert, lernte man, mit dem
Geist zu arbeiten, um bleibendes Glück zu erlangen.
Leerheit
(skt.: shunyata, tib.: tongpanyi): das Freisein von wahrhafter,
unabhängiger Existenz der eigenen Person und der Erscheinungen;
die Raum-Natur aller Dinge, deren Erfahrung über alle Begriffe
hinausgeht.
Lehrzyklen: Buddha lehrte
drei große Themenkreise (siehe das dreimalige Drehen des
Dharmarades), bei denen es schwerpunktmäßig um 1. Ursache
und Wirkung, 2. Mitgefühl und Weisheit sowie 3. die in allen
fühlenden Wesen gegenwärtige Buddha-Natur geht (Dharmarad).
Leid:
Im Vergleich zur Befreiung und Erleuchtung sind alle Erfahrungen
der bedingten Existenz mit Leid verbunden. In den buddhistischen
Texten werden drei Arten von Leid genannt: 1. das Leid der Veränderung,
2. das Leid der Bedingtheit und 3. das Leid des Leidens (siehe
Artikel zu diesem Thema).
Licht-Energie-Formen:
anderer Ausdruck für Buddha-Aspekte, die als nicht-substanzielle
Formen aus Licht und Energie vergegenwärtigt werden, Hologrammen
ähnlich. Sie drücken die verschiedenen Facetten der
Erleuchtungsnatur des Geistes aus.
Logik:
Teil der buddhistischen Erkenntnislehre;
Methoden und Prozesse zur Untersuchung von inneren und äußeren
Phänomenen durch schlussfolgernde Wahrnehmung. Ihre Gültigkeit
wird durch die Einhaltung bestimmter Regeln und die dadurch ermöglichte
Interaktion mit einem konkreten Erfahrungsobjekt bestimmt.