Abhängiges
Entstehen (tib.: tendrel): das Gesetz des ursächlichen
Entstehens und miteinander Verbundenseins aller Erscheinungen.
Abhidharma:
die Darstellung der Erscheinung aller Dinge, wie z.B. die Bestandteile
unserer Persönlichkeit fünf
Ansammlungen, (skt.: skandhas), die Sinnes-Ursprünge
(skt.: ayatanas) sowie die Grundelemente der Existenz (skt.: dhatus),
einer der drei Körbe.
Achtfacher
Pfad, Edler: Im Achtfachen Pfad sind die Mittel zusammengefasst,
die zur Erleuchtung führen. Zuerst geht es darum, Weisheit
zu entwickeln, also Unwissenheit zu überwinden. Zweitens
soll das Handeln so eingesetzt werden, dass positives Karma
aufgebaut und negatives abgebaut wird. Punkt 6, 7 und 8 erklären
den sinnvollen Umgang mit dem eigenen Bewusstsein.
Weisheit entwickeln:
1. Verstehen, wie Leid entsteht, was dessen Ursachen sind, und
wie man es beendet.
2. Denken, um das Erkannte in die Tat umzusetzen. Unwissenheit,
Zorn, Anhaftung, Eifersucht und Stolz (Störgefühle)
bestimmen nicht länger unser Fühlen und Handeln.
Richtiges Handeln:
3. Sinnvolles Reden: Nicht lügen, schlecht über andere
reden oder Unsinn erzählen.
4. Sinnvolles Handeln: Handlungen aufgeben, die anderen schaden.
5. Sinnvolle Lebensführung: ein von Mitgefühl und Weisheit
bestimmtes Leben führen.
Mit dem Geist arbeiten:
6. Richtiges Bemühen: Energie aufbringen und auf die unzerstörbare
Natur des Geistes meditieren.
7. Richtige Achtsamkeit: das Objekt der Konzentration nicht vergessen.
8. Richtige Vertiefung: den Geist immer wieder an einer Stelle
halten und durch Meditation seine zeitlosen Qualitäten hervorbringen.
Aktivität:
im Allgemeinen Sinn Handeln zum Wohl der Lebewesen, im letztendlichen
Sinn spontanes und müheloses Handeln eines Buddhas zum Wohl
der Lebewesen.
Allwissenheit: Weisheit eines Buddhas, der die Natur aller Dinge
sowie ihre vielfältigen Erscheinungsweisen erkennt; Synonym
für Buddhaschaft
oder Wahrheitszustand.
Anfangslose
Zeit: Schaut man nach einer ersten Ursache für das
Entstehen der Dinge, so kann man eine solche niemals finden, denn
auch sie müsste ja eine vorherige Ursache haben, aus der
sie entstanden ist. Im Kreislauf
der Existenz entstehen die Dinge daher seit anfangsloser
Zeit.
Ansammlungen,
Zwei: Positive Eindrücke oder Verdienst z.B.
aus nützlichem Handeln und Weisheit müssen auf
dem Weg untrennbar miteinander verbunden werden.
Arhatschaft: höchste Verwirklichung im Theravada.
Ruhiger Geisteszustand, in dem vollkommene Befreiung vom Leid
der bedingten Existenz
erlangt wird.
Asketische Praxis: auf
Zurückweisung sämtlicher Annehmlichkeiten und damit
auf Loslösung von Anhaftung ausgerichtete Praxis wie Fasten
etc., die besonders in den hinduistischen Yoga-Systemen verwendet
wird. Extreme Askese kann zu Schaden für Körper und
Geist führen.
Aufbauende
Phase: Aufbau der inneren Vorstellung eines Buddhaaspektes
im Diamantweg,
dient hauptsächlich der Entwicklung von Geistesruhe
und Klarheit.
Ausstrahlungszustand (skt.: nirmanakaya): Ein Buddha kann aus
Mitgefühl in vielen Formen erscheinen, um anderen Lebewesen
zu nützen. Die perfekteste dieser Erscheinungsformen ist
der so genannte Ausstrahlungszustand eines Buddhas. Er ist ausgestattet
mit 32 Hauptmerkmalen und 80 Nebenmerkmalen der Vollkommenheit.
Bedingte
Existenz: Synonym für
Kreislauf der Existenz
oder Samsara.
Befreiung: bezeichnet die Befreiung vom
Kreislauf der Existenz.
Geisteszustand, in dem alles Leid zusammen mit den Ursachen
für Leid vollkommen überwunden ist. Im
Theravada entspricht
dies der Arhatschaft,
im Mahayana der ersten Bodhisattva-Stufe.
Bewusstheit
oder Eigenbewusstheit (tib.: rig pa, rang rig): die Fähigkeit
des Geistes, bewusst zu sein, erleben zu können. Dies ist
die innere Facette jeder Wahrnehmung, in ihrer reinen Form synonym
mit Weisheit.
Bewusstsein:
Funktionsweise des Geistes, wenn er auf Objekte ausgerichtet ist.
Es bedeutet, dass sich jemand einer Sache oder eines Aspektes
des Geistes bewusst ist. Im Großen Fahrzeug (Mahayana) werden meistens
acht Arten gelehrt: das Bewusstsein des Sehens, Hörens, Riechens,
Schmeckens, Tastens, Denkens, des Ichs und der gespeicherten Eindrücke.
Bewusstseinsstrom:
die ununterbrochene Folge der einzelnen klaren und bewussten Momente
des Erlebens, die durch dieses Leben, den
Zwischenzustand
zwischen Tod
und Wiedergeburt
sowie weitere Leben hindurchgeht.
Bodhgaya: in der Nähe der Stadt Patna in Nordindien gelegene
Stelle, an der der historische
Buddha Shakyamuni die volle Erleuchtung erlangte. Gilt als wichtigster Pilgerort aller Buddhisten.
Bodhibaum:
wörtl. Baum des Erwachens. Eine Pappel, unter der Buddha
saß, als er erleuchtet wurde. Der heutige Baum ist ein über
Sri Lanka reimportierter Ableger des Originalbaumes.
Bodhicitta:
Erleuchtungsgeist; der Wunsch,
Buddhaschaft zu erlangen, um
allen fühlenden Wesen zu helfen, sich vom Leid zu befreien.
Er wird in zwei Aspekte unterteilt: in den relativen und den letztendlichen
Erleuchtungsgeist. Der relative Erleuchtungsgeist besteht zum
einen in dem Wunsch, Erleuchtung zum Wohl aller Wesen zu erlangen.
Zum anderen wird dieser Wunsch durch die befreienden Handlungen,
die Paramitas,
in die Praxis umgesetzt. Der letztendliche Erleuchtungsgeist ist
die Erkenntnis der Untrennbarkeit von
Leerheit und
Mitgefühl.
Bodhisattva:
Im allgemeinen Sinn ein Praktizierender des
Mahayana; jemand, der den
Entschluss gefasst hat, zum Nutzen aller fühlenden Wesen
die volle Erleuchtung
zu erreichen. Im speziellen Sinn hat er bereits Befreiung vom
Leid und damit eine Verwirklichung auf einer der zehn
Bodhisattva-Stufen erlangt.
Bodhisattva-Stufen:
zehn Stufen, die den Weg eines Bodhisattvas von der Befreiung
bis zur vollen Erleuchtung
ausmachen, d.h. auf denen die Erkenntnis von der wirklichen Natur
der Dinge vertieft wird und mehr und mehr auch außerhalb
der Meditation erfahren wird.
Bodhisattva-Versprechen:
bei einem qualifizierten Lehrer abgelegtes Versprechen, die
Erleuchtung zum Wohl der Lebewesen
zu erlangen; Eintritt in den Weg eines
Bodhisattvas.
Buddha (tib.:
sangye): wörtl. der Erwachte oder Erleuchtete. Jemand, der
alle Schleier im Geist vollkommen gereinigt und alle Qualitäten,
besonders die Allwissenheit, vollständig entfaltet hat (Buddhaschaft).
Der Buddha unserer Zeit ist der historische Buddha Shakyamuni,
der vierte von insgesamt 1.000 Buddhas dieses Zeitalters.
Buddha-Aktivitäten:
Es gibt insgesamt vier Buddha-Aktivitäten: die befriedende,
vermehrende, faszinierende und kraftvoll schützende Aktivität
eines Buddhas.
Buddha-Aspekte oder Meditations-Aspekte: vom
Buddha in den buddhistischen
Tantras gelehrte Meditationsformen,
die jeweils eine bestimmte Qualität der Erleuchtungsnatur
unseres eigenen Geistes ausdrücken (Yidam).
Buddha-Familien: Fasst man alle vom historischen Buddha gelehrten
Buddha-Aspekte zusammen, so kann man sie fünf Gruppen oder
Familien zuordnen. Diese wiederum können alle in den Buddha
"Diamanthalter", die tantrische Form von Buddha Shakyamuni,
zusammengefasst werden.
Buddha-Natur:
die Natur
des Geistes, die Essenz oder das Potenzial der Buddhaschaft,
das in allen fühlenden Wesen gegenwärtig ist.
Buddhaschaft: Zustand vollkommener Erleuchtung. Er ist gekennzeichnet
durch Furchtlosigkeit, Freude und aktives Mitgefühl; Buddhaschaft
ist die Erkenntnis der offenen, klaren Unbegrenztheit des Geistes.
Buddha-Weisheiten,
Fünf: Facetten der einen Buddha-Weisheit: 1. die
wertfreie Weisheit klaren Widerspiegelns ohne eigenes Kommentieren;
2. das Entdecken des reinen Potenzials in anderen; 3. die Fähigkeit,
bleibende und vergängliche Qualitäten zu unterscheiden;
4. das Verständnis des fließenden, dynamischen Aspektes
der Welt; und 5. die intuitive oder Raum-gleiche Weisheit.
Chan-Buddhismus: chinesischer
Vorläufer des Zen-Buddhismus. Der Begriff stammt von der
Sanskrit-Wurzel dhyani, was Konzentration oder Versenkung bedeutet.
Dakini
(tib.: khandroma): wörtl. Die im Raum geht. Weibliches erleuchtetes
Weisheitswesen, das Inspiration und Schutz gibt sowie perfekte
Buddha-Aktivität
ausführt.
Dalai
Lama: im Exil lebender König von Tibet, gleichzeitig
einer der ranghöchsten spirituellen Meister Tibets, steht
der Gelug-Tradition
am nächsten.
Daseinsbereiche,
Sechs: machen zusammen die möglichen Erlebnisweisen
im Kreislauf
der Existenz aus. Die drei niederen Bereiche sind die
Paranoia- oder Höllen-Zustände, die Geister und die
Tiere. Die drei höheren Bereiche sind die Menschen, die Halbgötter
und die Götter. Sie entstehen durch die jeweils stärksten
Störgefühle.
Dharma (tib.:
tschö): die buddhistische Lehre. Man unterscheidet in den
Dharma der Belehrungen die so genannten
Drei Körbe und
den Dharma der Verwirklichung die drei Arten von Training,
nämlich richtiges Verhalten, Meditation und Weisheit. Von
den weiteren Bedeutungen dieses Begriffs ist "Phänomene"
der wichtigste. Kombiniert man die beiden Hauptbedeutungen, so
versteht man unter Dharma ganz allgemein die Lehre Buddhas. Wörtlich
übersetzt, bedeutet Dharma "Wie die Dinge sind".
Dharmakaya:
siehe Wahrheitszustand.
Dharmarad:
vollständiger Zyklus von Belehrungen des Buddha, die dann
für das ganze kommende Zeitalter zur Verfügung stehen.
Insgesamt drehte er das Dharmarad dreimal, jeweils den Fähigkeiten
seiner Schüler entsprechend (siehe
Drei Fahrzeuge)
Diamant:
Symbol für die Unzerstörbarkeit und Kostbarkeit der
wahren Natur unseres Geistes.
Diamantweg
(skt.: Vajrayana, tib.: Dorje Thegpa): heute identisch
mit den praxisorientierten Schulen des Tibetischen Buddhismus
und mit dem Tantra- oder Mantra-Fahrzeug; unterscheidet sich vom
allgemeinen Großen
Fahrzeug vor allem durch die kraftvollen Methoden der
Identifikation mit Erleuchtung.
Dualität:
auf Unwissenheit beruhende Trennung des Erlebens in die sich gegenseitig
bedingenden Aspekte von innen und außen, Subjekt und Objekt,
ich und die anderen.
Edle
Wahrheiten, Vier: der Kern der Lehre Buddhas.
Die Wahrheit vom Leiden: Das Leben im
Kreislauf der Existenz
bedeutet Leid. Im Menschenbereich werden Geburt, Alter, Krankheit
und Tod als leidvoll erfahren. Die Lebewesen hören erst dann
auf, Leid zu erfahren, wenn sie die
Natur ihres Geistes erkannt
haben.
Die Wahrheit von den Ursachen des Leidens: Buddha beschreibt die
Gründe, weshalb der Geist seine wahre Natur normalerweise
nicht erkennt. Diese sind die negativen Handlungen und
Störgefühle.
Die Wurzel für alle Schwierigkeiten ist die grundlegende
Unwissenheit.
Die Wahrheit vom Ende des Leidens: Jeder kann aber erleuchtet
werden, d.h. die Natur seines Geistes erkennen und so dauerhaftes
Glück reichen, wenn alle Ursachen für Leiden beseitigt
sind.
Die Wahrheit des Weges zum Ende des Leidens: Es gibt praktische
Mittel, um dauerhaftes Glück zu erreichen. Der
Achtfache Pfad erklärt
diese Mittel.
Einsicht
oder Einsichtsmeditation (tib.: lhaktong, skt.: vipashyana):
auf der Grundlage der Geistesruhe
entstehende tiefe Einsicht in die
Natur des Geistes.
Entsagung:
Loslösung von Anhaftungen, die einen an den
Kreislauf der Existenz binden.
Erdberührungsgeste:
die Geste, in der Buddha
meistens dargestellt wird: Die ausgestreckten Finger der rechten
Hand berühren vor den Beinen leicht den Boden. Symbolisch
ruft Buddha damit die Erdgöttin als Zeugin dafür an,
dass er über viele Leben hinweg die Ursachen für
Erleuchtung gelegt hat, indem
er Mitgefühl
und Weisheit
vollendet sowie die entsprechenden Handlungen praktiziert hat.
Damit zeigt diese Geste Weg und Ziel im Buddhismus.
Erleuchtung:
Geisteszustand eines Buddhas, bei dem selbst die feinsten Schleier
der Unwissenheit beseitigt sind und vollkommene Allwissenheit
verwirklicht ist.
Erleuchtungsgeist:
siehe Bodhicitta
Erkenntnislehre
(skt.: pramana, tib.: tsema): Lehren Buddhas über
die Funktionsweise des Geistes, insbesondere darüber, was
richtige und was getäuschte Erkenntnis bedeutet, über
Objekte der Erkenntnis, Erkenntnisprozesse und den erkennenden
Geist. Wird oft auch als Wahrnehmungslehre bezeichnet.
Fahrzeuge,
Drei oder Drei Wege: Eingeteilt nach den Meditationsmethoden,
sind dies: Fahrzeug der Älteren in der Gemeinschaft (skt.
Theravada),
Großes Fahrzeug (skt.
Mahayana) und Diamantweg
(skt. Vajrayana),
eingeteilt nach der Sichtweise das Fahrzeug der
Shravakas, der
Pratyekabuddhas
und der Bodhisattvas.
Fehlerhafte Sichtweisen:
Den Störgefühlen
zugrunde liegende fehlerhafte Anschauungen, z.B. extreme Sichtweisen
des Festhaltens an unabhängiger Existenz oder an Nicht-Existenz,
Nicht-Verstehen von Ursache und Wirkung usw.
Freudenzustand
(skt.: sambhogakaya, tib.: long ku): aus dem
Wahrheitszustand
eines Buddhas ausgestrahlte Form mit vielen besonderen Merkmalen
der Vollkommenheit, die speziell erscheint, um die
Bodhisattvas auf ihrem Weg anzuleiten.
Die Identifikation mit einem Freudenzustand wird in der Diamantwegs-Praxis
geübt.